ÖPNV in Wellington 1


Den eigenen ÖPNV und den VRN weiß man leider erst zu schätzen, wenn man gesehen hat, dass es auch anders geht.

Bus mit Oberleitung

Bus mit Oberleitung

Hier in Wellington sichern Busse den ÖPNV. Teilweise mit Oberleitung zur Stromversorgung, ansonsten mit normalen Verbrennungsmotoren. Man zahlt entweder in Bar oder mit so einer speziellen Bezahlkarte auf NFC Technologie. Bei letzterem muss man die Karte beim Ein- und Aussteigen an ein Lesegerät halten und der Betrag wird von der guthabenbasierten Karte abgezogen. Das ist zum einen schneller als Barzahlung und zum anderen auch 20% günstiger.

Jetzt aber zu den Nachteilen: Umsteigen ist hier nicht vorgesehen. Man zahlt immer pro Fahrt. Wenn man von A nach C möchte, es aber keine direkte Verbindung gibt, dann kann man beispielsweise von A nach B und dann von B nach C fahren, zahlt aber zwei eigenständige Fahrten.Oder man läuft halt eine der Teilstrecken.

Das Tarifgebiet ist in 14 Zonen unterteilt. Zone 1 ist der Innenstadtbereich. Zone 2 sind die umliegenden Stadtteile und Zone 3 die etwas weiter entfernten Stadtteile. In diesen Zonen verkehrt das Busunternehmen Go Wellington. Die anderen Zonen liegen dann immer weiter von der Innenstadt entfernt und werden nur von anderen Unternehmen bedient. Man zahlt pro durchfahrene Zone. Will man also nur in der Innenstadt hin und her, so ist das jeweils der Tarif für eine Zone. Allerdings kann man diese Entfernungen auch super in maximal 20 Minuten zu Fuß erreichen, großartige Berge gibts da auch nicht. Ich wohne beispielsweise in Zone 2. Möchte ich mit dem Bus in die Stadt, zahle ich also zwei Zonen. Soweit ganz OK. Aber der einzige Bus, der mich hier abholen könnte, fährt erst mal total umständlich zum Bahnhof und dann auch nur zum nördlichen Teil der Innenstadt. Für den Rückweg bedeutet das, dass ich entweder schwere Einkäufe erst durch die halbe Innenstadt tragen darf, oder zusätzlich zum 2-Zonen-Ticket noch ein 1-Zonen Ticket lösen darf. Umsteigen ist ja wie bereits erwähnt nicht vorgesehen. Im benachbarten Stadtteil ist auch ein Supermarkt. Der liegt aber in Zone 3, also wieder der 2-Zonen-Tarif, und zudem fährt der Bus dorthin nicht wirklich bei uns vorbei, sondern man muss einen kurzen Weg mit vielen Treppen oder einen langen Weg zur Haltestelle zurücklegen.

Nun zu den Preisen: 2 Zonen kosten mit der Ermäßigung durch die Bezahlkarte $2.73 und eine Zone kostet $1.66. Die Einkäufe bequem nach Hause zu bringen kostet also $4.39, was beim aktuellen Umrechnungskurs etwa 2,70€ sind. Für zwei Busfahrten von insgesamt 15 Minuten und einer Strecke von 2km meiner Meinung nach etwas viel, zumal das schon der ermäßigte Preis ist. Ohne diese Karte ist es 25% teurer und die praktische Karte kostet einmalig $10, die man sich auch erstmal durch den Vorteil zurechtsparen muss. Im VRN kann ich mit den 5er Fahrscheinen vom einen Ende in Ludwigshafen bis zum anderen Ende in Mannheim für 2,24€ fahren, beispielsweise Lu Maudach – Ma Vogelstang (ca. 15km). Da muss ich zwar zwei mal Umsteigen und bin 1h unterwegs, aber das ist vom VRN ja auch so vorgesehen und bei der Strecke ganz OK. Und es dürfte durchaus akzeptabel sein, den Bereich Ludwigshafen/Mannheim mit der Hauptstadt von Neuseeland zu vergleichen.

Wer sich denkt, dass man ja öfters hier unterwegs ist, und mit einer Zeitkarte Geld sparen könnte: Eine Tageskarte kostet $9.50 und eine 30-Tages Karte kostet $150. Beide jeweils nur in den zentralen 3 Zonen gültig, weil die Busunternehmen, für die sie gilt, die anderen Zonen nicht bedienen. Die Monatskarte für Kaiserslautern plus Umgebung kostet 66,20€, was verglichen zu den $150 (92,15€) ja noch ein Schnäppchen ist – zumal der Bereich in Kaiserslautern größer sein dürfte und neben den Bussen auch die Regionalzüge in diesem Bereich enthalten sind. Mit Studententarifen in Deutschland möchte ich das hier ja gar nicht vergleichen. Könnte ich aber, da es in Wellington für Studenten keinerlei Ermäßigungen gibt. Bis auf eine Ausnahme: Wer am selben Tag zwei Vorlesungen an unterschiedlichen Campussen besucht, bekommt die Busverbindung dazwischen gratis. Allerdings nur exakt diese Verbindung und nur an den benötigten Tagen. Ansonsten zahlen Studenten neben den Studiengebühren den vollen Bus-Preis.

Ein Fahrrad wäre zwar auch eine Idee, aber dann fährt man immer auf den Hauptstraßen mit den Autos. Fußgängerwege sind bedeutend kürzer, weil viele Serpentienen einfach durch kleine Schleichwege mit Hunderten Treppenstufen abgekürzt werden können. Für Fahrräder ist das wohl nicht so gut geeignet. Außerdem habe ich sowohl an der Uni als auch in der Stadt noch keine geeigneten Fahrradabstellplätze gesehen – auf Grund der ganzen Berge hier scheint Fahrradfahren nicht üblich zu sein.

Alles in allem werde ich diesen Sommer wohl viel laufen und dank der Höhenmeter, die es täglich zu meistern gilt, nächsten Mai mit guter Kondition zurück nach Deutschland kommen und den dortigen ÖPNV als ein Segen empfinden.


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